Mein Traum vom Fliegen in drei Wochen
Schon als kleiner Junge faszinierte mich die Vorstellung einmal selbst ein Flugzeug steuern zu können. Jedes brummen am Himmel erweckte in mir die gleiche Reaktion. Ein Blick nach oben, den Wunsch dort zu sein und den Steuerknüppel in der Hand zu halten. Für viele Jahre war das für mich ein Traum, der auch aus finanzieller Sicht unerreichbar schien. Zu meinem vierzigsten Geburtstag bekam ich von meiner lieben Lebensgefährtin Karin einen Rundflug mit einer Katana DA20 geschenkt. Ich flog mit einem Piloten von Oehna (EDBO) über Wittenberg und zurück.
Dieses Erlebnis lies mich nicht mehr los. Ich kaufte mir eine Flugsimulator-Software, einen Linkshänder - Joystick, Ruderpedale usw. für meinen PC und übte das Fliegen. Auch die Theorie wie Technik, Meteorologie, Aerodynamik usw. interessierte mich sehr. In der Vergangenheit war ich immer davon ausgegangen, dass so ein Flugschein sehr teuer sei, aber bei Fläming-Air wurde ich eines Besseren belehrt. Mein Traum könnte plötzlich Wirklichkeit werden! Ich fing also an für meinen Traum zu sparen. Im Sommer 2005 war ich wieder mal in Oehna. Die Eltern meiner Lebensgefährtin leben dort und wir machen da immer gerne ein paar Tage Urlaub. Die Gegend hat viel zu bieten: Unter Anderem sehr nette Menschen, eine über 100 km lange Inliner und Fahradstrecke (Fläming-Skate) und natürlich den Flugplatz Oehna. Der erste Weg führte mich natürlich zum Flugplatz! Mit einem Fluglehrer der aus meiner Sicht sehr kompetent erschien machte ich einen Schnupperkurs in Sachen fliegen. Es war der Wahnsinn, natürlich im positiven Sinne. Wir flogen über die Cargolifter-Halle und ich hatte das Steuer in der Hand. Nach der Landung war mir klar: Nächstes Jahr mache ich den Flugschein! Ich kaufte mir das Lehrbuch von Clemens Löbe (Die Theorieausbildung für die Privatpilotenlizenz ISBN:3-937405-00-3 C.L.-Verlag www.loebe.com) und las immer wieder mal darin herum. Mit diesem Script habe fast alles über die Theorie der Luftfahrt gelernt. Nach zweimaligem durchlesen, hatte ich schon ein gutes Grundwissen. Im Herbst 2005 besorgte ich mir den PPL-Trainer von Aerosoft für den PC und lernte damit die Prüfungsfragen. Das war nicht schwer, weil ich immer wieder mal ein bisschen gelernt habe.
Es gab nur noch ein Problem: Der Flugplatz Oehna liegt in Brandenburg, ca. 50 km südlich von Berlin und ich wohne in Hungen, was ca. 50 km nordöstlich von Frankfurt a.M. liegt. Eine Ausbildung über längere Zeit war also schwer möglich. Ich wollte aber unbedingt in Oehna meinen Flugschein machen, weil ich mich dort so gut aufgehoben fühlte und die Flugzeuge einen sehr gepflegten Eindruck machten. Fläming-Air hat eine eigene Werft und baut auch das Ultraleichtflugzeug Smaragd, was von den Mitarbeitern mit großer Sorgfalt gemacht wird. Ich arbeite selbst als leitender technischer Angestellter in einem Produktionsbetrieb und kann das ganz gut einschätzen. Wenn man in der Werft mal genauer hinschaut sieht man, dass die Leute ihr Handwerk verstehen und viele Details, die Vertrauen schaffen. Alle sind sehr nett und man wird gleich herzlich in die "Familie" aufgenommen.
Ich schrieb also Moni und Rudi (Monika und Rudolf Hackel, die Eigentümer des Flugplatzes) eine Mail und fragte nach, ob es möglich sei, über einen Zeitraum von drei Wochen bei Fläming-Air den Pilotenschein zu machen. Die Antwort kam prompt: "Kein Problem, das hat sogar schon mal Einer in zwei Wochen geschafft!" Also plante ich nach Absprache mit Moni meinen Urlaub für Ostern bis Anfang Mai 2006. Das waren 4 Wochen und ich brauchte nur 17 Tage Urlaub wegen den Feiertagen. Die Terminlegung war sehr flexibel und geschah quasi auf Zuruf. Bis zu dem Beginn meiner Ausbildung habe ich mich dann noch etwas mit Clemens Löbe`s Script und dem PPL-Trainer beschäftigt um mit einem guten Grundwissen zum Theorieunterricht zu gehen. Das hat sich für mich als optimal herausgestellt, weil ich in den 80 Stunden Unterricht gezielt fragen stellen konnte. Die Lehrer waren und sind sehr kompetent. Sie haben mir mit Ruhe und Geduld sowohl die Theorie, als auch die Praxis beigebracht. Nach der theoretischen Ausbildung ging es gleich zur Prüfung. Ich glaube, dass ich an dieser Stelle auch mal anmerken darf, dass ich meine Theorieprüfung mit 97,2% richtigen Antworten bestanden habe. Davon 96% in Meteorologie und 100% in Navigation, was die schwierigsten Fächer sind. Das führe ich nicht zuletzt auf die guten Lehrer zurück. Aber genug des Lobes.
Parallel zur Theorie begann natürlich auch die praktische Ausbildung. In den ersten Stunden dachte ich: Das schaffst du nie ... es war doch schon etwas Anderes ein Flugzeug in Wirklichkeit zu landen, anstatt am Computer. Denn Landeübungen am PC sind nicht mit der Realität zu vergleichen. Es macht also keinen Sinn, das am Computer zu üben. Nach anfänglichen Zweifeln, hatte ich dennoch nach 5 Stunden meinen ersten Alleinflug. Ich hatte zwar die Hosen gestrichen voll, aber es war einfach toll plötzlich alleine im Flugzeug zu sitzen und ein paar Platzrunden zu drehen. Natürlich war es nicht einfach das ganze Wissen in den Kopf zu bekommen. Gerade die Zeit bis zur theoretischen Prüfung war schon anstrengend. Aber das sollte wohl drin sein, wenn man seinen Traum verwirklichen will. In den Pausen bin ich immer mit meinen Mitschülern Andi und Sebastian in das Lokal Stolperfogel am Flugplatz gegangen. Das Essen war immer sehr gut und die Preise sind auch ok. Besonders empfehlenswert ist das Bauernfrühstück, der hausgemachte Kartoffelsalat oder Topfwurst ... Hmmm... An dieser Stelle noch ein herzliches Dankeschön an Anke, Manduela und Marina, die immer freundlich und zuvorkommend mit den Gästen und uns Pilotenanwärtern umgegangen sind.
Interessant wurde es immer, wenn Rudi mit am Tisch saß. Er kann aus seiner Erfahrung erzählen, dass man fast zu Essen vergisst. Ich habe dabei teilweise genauso viel gelernt wie im Schulungsraum, allerdings ist mir dabei manchmal mein Essen kalt geworden, was natürlich nicht Rudi`s Schuld war. Am Osterwochenende wurde gleich hinter den Unterkünften für Piloten oder die es einmal werden wollen ein großes Osterfeuer mit Essen und Trinken abgehalten. Es war toll mit Bratwurst und Bier in der Hand gleich neben Klaus Schrodt (Red Bull Air-Race!) am Feuer zu stehen. Seine Extra saust da auch öfters am Himmel herum.
Ich denke, dass die Umgebung ideal zum Fliegen lernen ist. Die Gegend ist für Navigation nach Sicht sehr gut geeignet. In der Nähe gibt es einige Flugplätze und natürlich auch große Flughäfen, die man in der Ausbildung auch mal anfliegt. Es ist ein tolles Gefühl nach der Landung in Leipzig-Halle den grünen Lämpchen am Boden zum Parkbereich zu folgen und dabei mit dem Flieger über die Autobahnbrücke zu rollen. Auch Berlin-Schönefeld war ein Erlebnis. Auf der selben Piste aufzusetzen wie die Großen war einfach unvergesslich. Alles in Allem war es eine gute Entscheidung bei Fläming-Air den Flugschein zu machen. Wo sonst hätte man unter solch guten Bedingungen in drei Wochen den Flugschein machen können? Vielen Dank an alle Lehrer, Roland Grosser, Clemens Löbe, Martin Eckardt, Jens Bley, Neumann, meinen Prüfer Karl Heinz Maxwitat, der mir als ehemaliger MIG21–Lehrer während der praktischen Prüfung einige wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben hat, natürlich Moni und Rudi, und ganz besonders einen Dank an meine Lebensgefährtin Karin, die mich tatkräftig dabei unterstützt hat, meinen Traum vom Fliegen in drei Wochen zu verwirklichen.
Bernd Koschmieder im Mai 2006
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